Der Oeschbergschnitt

Obstbaumerziehung: Junger Obstbaum geschnitten nach System Öschberg/Palmer Wir praktizieren beim Schnitt junger und alter Obstbäume u. a. den Öschbergschnitt und lehren ihn in den von uns durchgeführten Obstbaumschnittkursen als Methode für die Erziehung und den Schnitt großkroniger Obstbäume.

Der Oeschbergschnitt wurde in den 1920er Jahren in der Schweiz entwickelt und ab den 1950er Jahren von Helmut Palmer auch in Deutschland verbreitet und weiter entwickelt.

Kennzeichnend für den Öschbergschnitt ist der Aufbau der Obstbaumkrone aus in der Regel vier anfangs flacher, später steil ansteigenden Leitästen mit diesen untergeordneten nach außen gerichteten begleitenden Fruchtästen und einer Stammverlängerung, welche in der Form einer schlanken Spindel ohne zusätzliche Leitastetagen erzogen wird und die Leitastspitzen in der Höhe nur mäßig überragt.

Dieser Kronenaufbau ähnlich einer jungen Naturkrone bleibt über die gesamte Lebensdauer des Baumes erhalten.
Er entspricht dem natürlichen Wachstumstrieb des Obstbaums und hilft, den späteren Schnittaufwand u. a. durch die Vermeidung überbauender Kronenpartien zu reduzieren.

Beim Öschbergschnitt werden die jungen Obstbäume in den ersten ca. 5–10 Jahren jährlich geschnitten, wobei die Leitäste, die begleitenden Fruchtäste und die Mitte zur Stabilisierung (Förderung des Dickenwachstums) und zur besseren Verzweigung jedes Jahr angeschnitten werden.
Am Jahrestrieb der Leitäste werden dabei die oberen und seitlichen Knospen ausgebrochen um den gewünschten Austrieb in die Breite/nach außen zu erreichen und unerwünschte nach innen gerichtete Triebe gar nicht erst entstehen zu lassen. Ebenso werden am Mitteltrieb die der Spitzenknospe folgenden obersten Knospen, welche zu kräftigen, steil wachsenden Trieben führen würden, ausgebrochen, um einen flacheren Austrieb zu erreichen.

Nach dieser ca. 5–10 Jahre dauernden Erziehungsphase kann bei den Schnittintervallen auf einen mehrjährigen Rhytmus von ca. 2–3 Jahren übergegangen werden. Dieser kann mit fortschreitendem Alter des Baumes ausgedehnt werden. Beim erwachsenen Obstbaum reicht es in der Regel, diesen alle ca. 5 Jahre zu schneiden.
Bei extensiv genutzten Streuobstbäumen sind teilweise auch längere Schnittintervalle von bis zu ca. 8 Jahren möglich, ohne die Statik und Vitalität des Baumes zu gefährden.

Charakteristisch für nach Öschberg/Palmer erzogene Obstbäume ist der breite Wuchs mit steilen Leitästen, im unteren Bereich der Baumkrone liegender Hauptertragszone und dadurch statisch günstigem tiefen Schwerpunkt des Baumes. Dies ermöglicht ein leichtes Ernten des Obstes ohne hohe Leitern und das stabile Kronengerüst erlaubt auch im Vollertrag einen Verzicht auf Stützen.
Die gute Belichtung sämtlicher Äste führt zu einer hohen Obstqualität und guter Ausreife der Früchte.
Die gute Durchlüftung der gesamten Baumkrone beschleunigt ein Abtrocknen der Blätter und Früchte und beugt Pilzkrankheiten vor.

Ein weiterer großer Vorteil des Öschberg-/Palmer-Schnittes ist dessen leichte Erlernbarkeit.

Mittlerweile hat sich der Öschberg-/Palmer-Schnitt in Fachkreisen als empfehlenswerte Methode für die Erziehung und den Schnitt von hochstämmigen Obstbäumen auf Streuobstwiesen weitgehend durchgesetzt.

Bei der Sanierung lange Zeit ungepflegter Streuobstwiesen ist es oft mit gutem Erfolg möglich, nach anderen Erziehungssystemen erzogene Obstbäume oder Altbäume mit nicht mehr erkennbarer Kronenstruktur auf eine Kronenstruktur, die sich an den Prinzipien des Öschbergschnitts orientiert, umzustellen.
Diese in der Regel über mehrere Jahre in Etappen durchgeführte Umstellung der Baumkrone bringt eine Verbesserung der Baumstatik und meist eine deutliche Vitalisierung des Baumes mit sich, die sich auf die weitere Lebenserwartung der meist älteren und oft vergreisten Obstbäume positiv auswirkt.